Warum ich ohne Team fotografiere

von | Editorial

Ich habe in meinen früheren Jahren als Kamermann für Doku und Reportage die Arbeit im Team sehr zu schätzen gelernt. Seltsamerweise aber haben sich fast ausschließlich Erlebnisse in mein Gedächtnis gebrannt, in denen ich aus irgendwelchen Gründen alleine mit dem Protagonisten oder Interviewpartner drehte, und ich komplett für die Resultate verantwortlich war. Heute weiß ich warum: es hat mit der Energie zu tun zwischen der Person vor und der Person hinter der Kamera. Es ist wie bei jeder Zweierkonstellation im Leben: direkter kann ein Austausch nicht sein.

Wahrscheinlich habe ich mich auch deswegen für einen fotografischen Weg entschieden, in dem ich maximal reduziert arbeiten kann, völlig autark meine Entscheidungen treffe, als eigener Auftraggeber, und natürlich auf eigenes Risiko.

Ich finde es einfach mega spannend, mit einem Model ein Shooting zu planen und durchzuführen. Besonders, wenn ich es erst am Shootingtag kennenlernen werde, aber auch wenn ich es so gut kenne wie zB Annika: denn vieles bleibt unwägbar, und kann den Verlauf des Tages massiv beeinflussen: das Wetter, die Temperatur, die Location, kleine (oder große) Pannen, die Erwartungen an die Bilder, die (teils neuen) Klamotten fürs Model, und nicht zuletzt die eigenen Befindlichkeiten.

Eine Portraitsitzung ist etwas sehr privates, intimes, in der nicht nur die Stimmung des Models die Bilder beeinflusst, sondern genauso auch die des Fotografen. Es ist also, wenn man es künstlerisch ernst nimmt, eine sehr filigrane Sache, und da will ich keine weitere Person um mich haben, die mich oder das Model ablenkt. Ich will die volle Konzentration behalten auf das Shooting, denn nur so können diese kleinen magischen Momente enstehen, für die ich als Fotograf lebe.

Sehr spannend ist das, und jedes Mal anders.